Prora

Allgemeine Beschreibung

Prora ist ein Ortsteil der Gemeinde Binz auf Rügen. Er liegt direkt an der Ostseeküste im Zentrum der Prorer Wiek und ging aus dem zwischen 1936 und 1939 gebauten, jedoch unvollendet gebliebenen KdF-Seebad Rügen hervor. Im Komplex sollten durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können.

Zur Erschließung des Seebads wurde die Bahnstrecke Lietzow–Binz gebaut, die im Mai 1939 eröffnet wurde. An der Strecke entstand der Bahnhof KdF-Seebad Rügen, der heutige Bahnhof Prora. Im Zuge von Reparationsleistungen wurden die Gleise nach dem Krieg demontiert und später neu verlegt. Auch das Bahnhofshäuschen Prora ist ein Nachkriegsbau. 1987–1989 wurde die Strecke elektrifiziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging außerdem im Südosten des Komplexes der Haltepunkt Prora Ost in Betrieb.

Der Bau einer U-Bahn zur Erschließung der weitläufigen Anlage wurde 1936 von Robert Ley erwähnt, jedoch finden sich keine Hinweise auf eine tatsächliche Projektierung. Die Kellergeschosse sind für den Betrieb einer U-Bahn ungeeignet, spätere Planungen gingen von einem Omnibusverkehr innerhalb des Seebades aus.

Prora darf sich offiziell Erholungsort nennen und Abgaben wie beispielsweise Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgaben erheben.

Charakter

Die Anlage „Koloss von Rügen“ steht unter Denkmalschutz. Sie ist neben dem „Reichsparteitagsgelände“ in Nürnberg die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit. 20.000 Menschen sollten hier gleichzeitig Urlaub machen. Das „KdF-Bad der Zwanzigtausend“ ist nicht nur ein baugeschichtlich interessantes Beispiel für den Gebrauch der Architektur der Moderne im Nationalsozialismus, sondern auch ein sozialgeschichtlich wichtiges Zeugnis für das Bemühen des NS-Regimes, die Arbeiter, deren Parteien und Organisationen 1933 zerschlagen worden waren, zu befrieden und für die Kriegs-, Lebensraum- und Rassenpolitik zu gewinnen. Die „Nerven des Volkes“ sollten für den nächsten Krieg gestärkt werden, so wurde ein angebliches Zitat Hitlers in der Propaganda überraschend deutlich verbreitet.

Der Grundstein von Prora wurde nie gefunden. Er müsste laut alten Fotos und Berichten in der Gegend der Kaianlagen liegen. Die Originalpläne gingen in den Wirren des Kriegsendes verloren.

Am nördlichen Ende der Anlage stehen die eingezäunten Ruinen von zwei Blocks: Von dem vorletzten Block ist nur noch der Torso einer geplanten Liegehalle vorhanden, der (nach Ausbau des Kerns der Anlage zur Großkaserne) von der NVA als Werkstatt genutzt wurde. Vom letzten Block sind infolge von Sprengungen und Sprengübungen durch die Sowjetarmee nur noch sechs Segmente erhalten, die später den NVA-Fallschirmjägern als Übungsgelände dienten. 

Kultur

Inzwischen sind so gut wie alle Blöcker saniert und an private Investoren verkauft. Ein internationaler Jugendzeltplatz mit 250 Plätzen ist seit September 2007 geöffnet.
Am 15. März 2008 eröffnete auf dem 3,7 Hektar großen Küstenwald-Areal des Komplexes ein Hochseilgarten. Insgesamt wurden 460.000 Euro in den Bau der neuen Sportanlage investiert.

Im nördlichen Teil des Komplexes (Block V) wurde in fünf aneinandergrenzenden Gebäudeteilen im Juli 2011 die schon lange geplante große Jugendherberge mit 402 Betten in 96 Zimmern eröffnet.
Im September 2016 wurde in einem Bürgerentscheid in der Gemeinde Binz der Bau eines 104 Meter hohen Wohnturms mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Ein privater Investor wollte hinter den Bauten des Seebads mit dem Bücherturm Binz genannten Projekt das höchste Haus der Insel Rügen errichten. Kritiker hatten eine Verschandlung des Ortsbildes und Nachahmungseffekte in anderen Teilen der Insel befürchtet.